Jan 30, 2009

Incredible India...

Menschenmassen und leere Weiten, Duefte und Gestaenke, Heiliges und Unheiliges, Wahres und Erfundenes, Farben und Grauzonen, Sitten und Unsitten, Essbares und Unverdauliches: Reisen in seiner intensivster Form!

Andere Reisende haben es schon bereist und wussten viel darueber zu berichten, von diesem Indien. Voller Gegensaetze sei es. Die einen lieben es, andere hassen es - oder tun beides gleichzeitig.
Wir landen spaetabends in Delhi. So naiv wie wir sind treten wir trotz guter Vorbereitungen gleich mal voll ins Fettnaepfchen und lassen uns von Taxifahrern und Reiseagenten vera... Bei leckerem Toast und Chai-Tee buchen wir am naechsten Tag guten Mutes eine Tour durch Rajasthan mit Fahrer, Hotel und Ausfluegen. Schon nach wenigen Stunden realisieren wir, dass der Fahrer mit seinen wenigen Englischbrocken wohl eher eine Last als Hilfe ist, Hotelgutscheine fehlen und kurze Etappen mit dem Zug ploetzlich 30 Stunden dauern. Und so haben wir schnell gelernt: Jede auch noch so scheinheilige Information soll kritisch hinterfragt und selber geprueft werden. Und dann gehts auch ganz flott, mit diesen Indern!

Auf unserer Reise suedwaerts geniessen wir die einmalige Morgenstimmung am Taj Mahal und sind in einem Nationalpark vergeblich auf der Suche nach dem Tiger. Thomas' grosser Appetitt auf die indische Strassenkueche wird allzu bald mit einer Magen-Darmverstimmung bestraft und drosselt das Reisetempo mit einem laengeren Aufenthalt am heiligen See von Pushkar. Waehrend er leidend im Bett liegt profitiert aber Katharina von der spirituellen Kraft an diesem Ort mit Weiterbildungen in Reiki und Yoga. Hier verabschieden wir uns auch von unserem Fahrer. Reisen mit dem Auto ist zwar sehr bequem, aber wir vermissen die Freiheit und die Naehe zu Land und Leuten. A propos Freiheitsgefuehl: Der anschliessende Motorrad-Ausflug auf einer alten Royal Enfield weckt genau die Gluecksgefuehle des Reisens in uns wieder, die im Auto fehlten. Easy Rider, babyyyyy!


Wir reisen per Bus weiter nach Udaipur und erreichen nach einer langen Zugfahrt Mumbai, das Tor zu westlichen Welt. Im Zentrum ist es herrlich sauber (wer hat all die Kuehe versteckt??) und alles geht verdaechtig ordentlich zu und her. Bollywood liegt hier gleich um die Ecke und wir haben die Ehre, fuer einen Tag als Statisten in einem grossen Film mitzumachen. Oder besser gesagt mitzuwarten. Denn mehr als ein paar Sekunden Filmmaterial gab dieser lange Tag im Studio zusammen mit ueber 300 Statisten nicht her. Dennoch ein tolles Erlebnis! Und wer haette gedacht, dass ein Schweizer eine gute Fassung als englischer Soldat macht und eine Schwedin gleich mal ein paar Angebote fuer weitere Drehs bekommt...?

Varanasi, die heilige Stadt am Ganges, ist dann aber doch zuviel fuer unser Gemuet: Alle Strassen sind verstopft mit Menschen, Rikshaws, Tutkuks und Autos. Die Luft ist stickig und droht zu explodieren. Irgendwie schaffen wir es dennoch zum Fluss und zur sehnlichst erwuenschten klaren, frischen Luft. Stundenlang, abends und fruehmorgens, sind wir hier unten unterwegs und beobachten mit grossem Staunen die Tausenden von Glauebigen, welche hier tagtaeglich beten und sich reinwaschen. Einige trinken sogar davon und tragen es nach Hause, und unser Ruderbootskapitaen erzaehlt ueberzeugend vom suesslichen Geschmack. Tatsaechlich besteht diese Wundermischung aus 1.5 Millionen Faekalbakterien pro 100 ml (max. 500 Bakterien sind in Badewasser erlaubt...). Prost!

"India is hard work", sagte gestern unser Tischnachbar. Richtig - um Indien zu erleben muss man ganz ordentlich anpacken. Die Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt! Fuer die verbleibenden Ferienwochen ziehen wir uns ins Inselparadies auf den Andamanen zurueck. Sonnen, faulenzen, tauchen und einfach mal NICHTS tun :-)
Namaste! Katharina & Thomas

india

Jan 2, 2009

Bezaubernd anderes Myanmar

3 Wochen voller Entdeckungen, Begegnungen, Gegensaetze und Abenteuer. Plus: Die wohlverdiente Auszeichnung in der Kategorie "vielfaeltigste Formen der Fortbewegung" ...

Unsere Erleichterung war gross, nach all den Schwierigkeiten in Bangkok nun doch endlich in der Hauptstadt Yangon gelandet zu sein. Bei einem ersten Spaziergang durch den Stadtkern wird uns rasch bewusst, dass Westler hier nach wie vor eine Ausnahme sind: Man bestaunt uns (Katharinas blondes Haar ganz besonders) und immer wird uns ein freundliches Laecheln geschenkt - sehr speziell! Nach dem Besuch der supergoldigen Tempelanlangen von Shwedagon (siehe Bilder...) folgt ueber Nacht eine aeusserst anstrengende 14stuendige Busfahrt Richtung Norden. Die Sitze sind eng, die Strasse sehr holprig und die vielen Stopps zermuerbend. Eins steht fest: 10 Stunden Busfahrt ist die absolut obere Schmerzensgrenze! Wenn ich nur wuesste....

Die Reise geht sogleich weiter mit dem sogenannten Pick-up-Taxi: Ein normaler PW mit Ladeflaeche und zwei Sitzbaenken bietet mit viel Phantasie genuegend Platz fuer 14 Passagiere und ein Moped! Am naechsten Tag wagen wir die Fahrt mit der Staatsbahn. Will heissen: Ein Modell aus Vorkriegsjahren, die Schienen ebenso, ca. 30 km die Stunde absoluter Top-Speed. Und bei dieser Geschwindigkeit ruettelts und schuettelts wie auf einem kleinem Segelboot im Hochseesturm... Die Landschaft wird immer schoener, die Felder bluehen in sattem Gelb (Sesam) und Gruen (Zuckerrohr, Palmen, Paradies eben...), die Haeuser werden immer einfacher und wir geniessen es, zusammen mit den Einheimischen 'in einem Boot' zu sitzen. An einem Bahnhof im Nirgendwo trauen wir spontan einem selbst ernannten Trekking-Guide und bewandern mit ihm die naechsten 4 Tage durch eine wunderschoene Landschaft. So erhalten wir Einblicke in entlegene Regionen, schlafen bei Einheimischen in deren Huetten und werden von ihrer Gastfreundlichkeit nach Strich und Faden verwoehnt. Die Wandertage bieten Gelegenheit, vom Guide die vielfaeltigen Hintergruende ueber die Konflikte in seinem Land zu erfahren. Als ehemaliger Oppositionskaempfer hat er vieles hautnah erlebt. Die Unterdrueckung ist heute noch da - fuer die Fremden wird aber alles ganz ordentlich versteckt. Dieses wunderschoene Land mit diesem doch so freundlichen Volk haette mehr Verdient als ein paar selbst ernannte Generaele an ihren Schalthebeln, die jeden Cent dieses ressourcenreichen Landes abzweigen und es sich damit sehr gut leben lassen. Ein kleines Beispiel dazu: Waehrend der Strassenbau muehsamst und langsam von Hand (d.h. mit Meissel, Koerben, primitiven Teerofen, etc.) von armen Frauen verrichtet wird, fliegen Generalssoehne taeglich fuer den Schulunterricht nach Singapur! Den Frust stampfen wir in den sandigen Boden und geniessen den weiten Ausblick von den Bergkuppen. Der Trek endet mit 2 abenteurlichen Fahrten auf den Daechern von steinalten Lastwagen, die Tee und Sand in die Stadt transportieren. Auch hier sind wir im hautnahen Kontakt mit den Einheimischen und koennen dank unserem Guide sogar ein klein wenig kommunizieren.

Es geht weiter nach Bagan, dem Talboden am Ayarwaddy-Fluss mit seinen 4400 Tempeln. Jeder meint, mit Angkor Wat habe es sich schon ausge-tempel-t. Nein, hier gibts noch mehr davon...! Zwei Tage lang erkunden wir per Velo diese Region und geniessen das Privileg, zum spektaluaeren Sonnenuntergang kleinere Tempel zu erklimmen und ganz alleine fuer uns zu haben. Myanmar's Tourismus steckt eben immer noch in den Kinderschuhen. Irgendwie gut, irgendwie traurig.

Fuer die naechsten sehr kurvenreichen und holprigen 320 km bis zum Inle Lake (320 km) stellt sich die Frage: 14 Stunden Bus? Nein! 9 Stunden Taxi? Hmmm, etwas zu teuer. Unsere sechskoepfige Interessengemeinschaft (2x Norwegen, 2x Schweden, je 1x England und CH) findet die passende Loesung: Mit einem Pick-up ists guenstiger als mit dem Taxi, aber gleich schnell, und das Abenteur gibts gratis dazu! Zu diesem Zeitpunkt kann sich keiner vorstellen, dass dieser Hoellenritt geschlagene 13 Stunden dauert, wir auf der Ladeflaeche ineinader verkeilt und ohne grosses Sitzpolster den Schlagloechern, dem Staub und den Abgasen gnadenlos ausgeliefert sind. Die Auszeichnung ist bald verdient...

Am Inle Lake besuchen wir schwimmende Maerkte und Doerfer, sehen springende Katzen im Kloster und lassen es uns ueber die Weihnachtstage bei angenehmen Temperaturen einfach nur gut gehen. Damit die Auszeichung in Sachen Transportmittel auch wirklich verdient sei, gibts noch einen Ausritt hoch zu Ross in die umliegenden Berge. Schon mal 90 Minuten steil bergab geritten? Jesses Gott ist das schmerzhaft! (Und schon mal ganz grosses Lob an unsere Wanderreiter Thes & Sascha!!)

Nun ist genug transportiert - wir haben uns die Auszeichung wohl verdient und fliegen mit einem guten Gewissen via Yangon zurueck in unsere Basis nach Bangkok. Es bleiben starke Eindruecke von einem wunderschoenen Land mit all seinen Facetten: Traurig, dass auch in unserer Zeit ueberhaupt noch solche Regierungen an der Macht sind und von einigen Laendern auch noch tatkraeftig finanziert werden. Schoen, ein vom Tourismus noch so gut verschontes Land bereist haben zu duerfen. Die herzlichen Begegnungen und die Schoenheit des Landes hinterlassen auf jeden Fall ganz spezielle Erinnerungen!

ALLES GUTE UND BESTE GESUNDHEIT IM 2009!

Katharina & Thomas

Myanmar