Jan 2, 2009

Bezaubernd anderes Myanmar

3 Wochen voller Entdeckungen, Begegnungen, Gegensaetze und Abenteuer. Plus: Die wohlverdiente Auszeichnung in der Kategorie "vielfaeltigste Formen der Fortbewegung" ...

Unsere Erleichterung war gross, nach all den Schwierigkeiten in Bangkok nun doch endlich in der Hauptstadt Yangon gelandet zu sein. Bei einem ersten Spaziergang durch den Stadtkern wird uns rasch bewusst, dass Westler hier nach wie vor eine Ausnahme sind: Man bestaunt uns (Katharinas blondes Haar ganz besonders) und immer wird uns ein freundliches Laecheln geschenkt - sehr speziell! Nach dem Besuch der supergoldigen Tempelanlangen von Shwedagon (siehe Bilder...) folgt ueber Nacht eine aeusserst anstrengende 14stuendige Busfahrt Richtung Norden. Die Sitze sind eng, die Strasse sehr holprig und die vielen Stopps zermuerbend. Eins steht fest: 10 Stunden Busfahrt ist die absolut obere Schmerzensgrenze! Wenn ich nur wuesste....

Die Reise geht sogleich weiter mit dem sogenannten Pick-up-Taxi: Ein normaler PW mit Ladeflaeche und zwei Sitzbaenken bietet mit viel Phantasie genuegend Platz fuer 14 Passagiere und ein Moped! Am naechsten Tag wagen wir die Fahrt mit der Staatsbahn. Will heissen: Ein Modell aus Vorkriegsjahren, die Schienen ebenso, ca. 30 km die Stunde absoluter Top-Speed. Und bei dieser Geschwindigkeit ruettelts und schuettelts wie auf einem kleinem Segelboot im Hochseesturm... Die Landschaft wird immer schoener, die Felder bluehen in sattem Gelb (Sesam) und Gruen (Zuckerrohr, Palmen, Paradies eben...), die Haeuser werden immer einfacher und wir geniessen es, zusammen mit den Einheimischen 'in einem Boot' zu sitzen. An einem Bahnhof im Nirgendwo trauen wir spontan einem selbst ernannten Trekking-Guide und bewandern mit ihm die naechsten 4 Tage durch eine wunderschoene Landschaft. So erhalten wir Einblicke in entlegene Regionen, schlafen bei Einheimischen in deren Huetten und werden von ihrer Gastfreundlichkeit nach Strich und Faden verwoehnt. Die Wandertage bieten Gelegenheit, vom Guide die vielfaeltigen Hintergruende ueber die Konflikte in seinem Land zu erfahren. Als ehemaliger Oppositionskaempfer hat er vieles hautnah erlebt. Die Unterdrueckung ist heute noch da - fuer die Fremden wird aber alles ganz ordentlich versteckt. Dieses wunderschoene Land mit diesem doch so freundlichen Volk haette mehr Verdient als ein paar selbst ernannte Generaele an ihren Schalthebeln, die jeden Cent dieses ressourcenreichen Landes abzweigen und es sich damit sehr gut leben lassen. Ein kleines Beispiel dazu: Waehrend der Strassenbau muehsamst und langsam von Hand (d.h. mit Meissel, Koerben, primitiven Teerofen, etc.) von armen Frauen verrichtet wird, fliegen Generalssoehne taeglich fuer den Schulunterricht nach Singapur! Den Frust stampfen wir in den sandigen Boden und geniessen den weiten Ausblick von den Bergkuppen. Der Trek endet mit 2 abenteurlichen Fahrten auf den Daechern von steinalten Lastwagen, die Tee und Sand in die Stadt transportieren. Auch hier sind wir im hautnahen Kontakt mit den Einheimischen und koennen dank unserem Guide sogar ein klein wenig kommunizieren.

Es geht weiter nach Bagan, dem Talboden am Ayarwaddy-Fluss mit seinen 4400 Tempeln. Jeder meint, mit Angkor Wat habe es sich schon ausge-tempel-t. Nein, hier gibts noch mehr davon...! Zwei Tage lang erkunden wir per Velo diese Region und geniessen das Privileg, zum spektaluaeren Sonnenuntergang kleinere Tempel zu erklimmen und ganz alleine fuer uns zu haben. Myanmar's Tourismus steckt eben immer noch in den Kinderschuhen. Irgendwie gut, irgendwie traurig.

Fuer die naechsten sehr kurvenreichen und holprigen 320 km bis zum Inle Lake (320 km) stellt sich die Frage: 14 Stunden Bus? Nein! 9 Stunden Taxi? Hmmm, etwas zu teuer. Unsere sechskoepfige Interessengemeinschaft (2x Norwegen, 2x Schweden, je 1x England und CH) findet die passende Loesung: Mit einem Pick-up ists guenstiger als mit dem Taxi, aber gleich schnell, und das Abenteur gibts gratis dazu! Zu diesem Zeitpunkt kann sich keiner vorstellen, dass dieser Hoellenritt geschlagene 13 Stunden dauert, wir auf der Ladeflaeche ineinader verkeilt und ohne grosses Sitzpolster den Schlagloechern, dem Staub und den Abgasen gnadenlos ausgeliefert sind. Die Auszeichnung ist bald verdient...

Am Inle Lake besuchen wir schwimmende Maerkte und Doerfer, sehen springende Katzen im Kloster und lassen es uns ueber die Weihnachtstage bei angenehmen Temperaturen einfach nur gut gehen. Damit die Auszeichung in Sachen Transportmittel auch wirklich verdient sei, gibts noch einen Ausritt hoch zu Ross in die umliegenden Berge. Schon mal 90 Minuten steil bergab geritten? Jesses Gott ist das schmerzhaft! (Und schon mal ganz grosses Lob an unsere Wanderreiter Thes & Sascha!!)

Nun ist genug transportiert - wir haben uns die Auszeichung wohl verdient und fliegen mit einem guten Gewissen via Yangon zurueck in unsere Basis nach Bangkok. Es bleiben starke Eindruecke von einem wunderschoenen Land mit all seinen Facetten: Traurig, dass auch in unserer Zeit ueberhaupt noch solche Regierungen an der Macht sind und von einigen Laendern auch noch tatkraeftig finanziert werden. Schoen, ein vom Tourismus noch so gut verschontes Land bereist haben zu duerfen. Die herzlichen Begegnungen und die Schoenheit des Landes hinterlassen auf jeden Fall ganz spezielle Erinnerungen!

ALLES GUTE UND BESTE GESUNDHEIT IM 2009!

Katharina & Thomas

Myanmar


1 comment:

  1. Good to hear from you both! We heard about the nightclub bombings in Bangkok and didn't know where you were. Better then to be on a bumpy car to nowhere! It seems so nice and it really makes me keen to go there. Thanks for the post card. When will you be back home?

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